Die Protokollbücher des 1917 gegründeten Kirchenchors St. Maria Neudorf geben Aufschluss über das grosse Engagement der damaligen Sängerinnen und Sänger für den Bau dieser grossen Orgel. Nachdem der Chor bereits bei seiner Gründung mehr als 100 Mitglieder zählte, wurde schon 1919 an eine Orgel mit 50 Registern und einem Fernwerk gedacht. Im folgenden Jahr begründeten die Chormitglieder denn auch aus der Sammlung von Geldern – nicht zuletzt aus den eigenen Reihen – einen Orgelfonds, an den sie bis Ende 1923, nach der Aufführung eines Mysterienspiels, über 30'000 Franken beisteuerten. Die "tit. Kirchenverwaltung" strapazierte indessen die Geduld der Sängerinnen und Sänger weiterhin, indem sie vorerst bevorzugt die Elektrifizierung des Geläutes in St. Fiden behandelte.

1924 gab daher Pfarrer Frick unverdrossen den Anstoss zur Durchführung einer Tombola-Verlosung. Die Chormitglieder hatten zunächst die Preise zusammenzubetteln und anschliessend je ein Hunderterpaket Lose zu verkaufen. So brachten sie über 12'000 Franken herein. 1925 liess eine Filmaufführung "Die Erschaffung der Welt" den Fonds weiter wachsen, aber der Wunsch des Chors nach einer Orgel blieb unerhört - der Missmut wuchs. 1927 endlich, völlig überraschend für den Chor, erteilte der Kirchenverwaltungsrat grünes Licht für die Planung, doch fehlte immer noch Geld. "Als Schuldner und Selbstzahler" nahm der Chor daher einen Kredit für die letzten ungedeckten 5'000 Franken auf. Mit der Bürgschaft eines Bankdirektors und dreier Lehrer konnte 1928 die ersehnte festliche Einweihung stattfinden. Eine beinahe 10jährige Orgelbaugeschichte fand damit ihren Abschluss.
Orgeltastatur