Würdigungen von Orgelexperten

Die Grösse und Qualität der 1927 durch Orgelbau Willisau erbauten und 1940 durch Orgelbau Kuhn umgebauten und renovierten Orgel mit elektropneumatischer Tasten- und Registersteuerung macht sie zu einem der interessantesten Instrumente dieser Art. Schon in seinem heutigen, durch Orgelbau Kuhn teilweise revidierten Zustand, weist sie einen Reichtum an Stimmen (Registern) auf, der in der ganzen Ostschweiz und weit darüber hinaus einmalig ist. Das reich ausgestattete Fernwerk, dessen Klang auf zwei Manuale verteilt vom Kirchenestrich in die Kuppel über dem Hochaltar gelenkt wird, ist von einmaliger Wirkung. Jeder Beitrag zur vollständigen Revision lohnt sich.

Karl Raas, alt Domorganist, St.Gallen


*****


Die Orgel der Kirche St.Maria/Neudorf zählt zu den bedeutendsten, romantisch konzipierten Grossorgeln der Schweiz.

Der überreiche Fundus an hervorragend intonierten Grundstimmen erlaubt zusammen mit der ausgezeichneten Akustik des Raumes eine authentische Wiedergabe romantischer Orgelmusik. Ein glücklicher Umstand, der nur noch an ganz wenigen Orten und Instrumenten vorzufinden ist.

Das zweimanualige Fernwerk dürfte in der gesamten Schweiz wohl einmalig sein.

Willibald Guggenmos, Domorganist


*****


Die Orgel der Kath. Kirche Maria-Neudorf ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung!

Die verwendeten Materialien waren für damalige Zeit von herausragender Qualität. Sie ist weitgehend original erhalten. Das zweimanualige Fernwerk ist aussergewöhnlich und das grösste in der Schweiz. Klanglich ist die Orgel ein typisches Produkt der sog. elsässischen Orgelreform (A. Schweizer/E. Rupp) und verfügt über reichhaltige Aliquoten bis Septimen und Nonen!

Die imposante Prospektgestaltung dieser Orgel fügt sich, das rückseitige Fenster umfassend, ausgezeichnet in die Architektur der Kirche ein. Es ist zu bemerken, dass für Gehäuse und Prospekt ebenfalls nur beste Materialien (Massiv Fichte, gebeizt, sowie Zinnprospekt) verwendet wurden.

Wir besitzen mit dieser Orgel nicht nur ein zur Architektur der Kirche passendes Prospektbild, sondern auch technisch und musikalisch auf dem Höchststand der damaligen Zeit realisiertes Musikinstrument.

Die Erhaltung ist damit zwingendes Muss all unserer jetzigen Bemühungen.

Es ist eine ideale Voraussetzung, dass sich die Wünsche und Bemühungen aller beteiligten Gremien darin decken, dass nicht aus einem „Mercedes ein Rolls Royce“  werden soll, sondern die notwendigen Erhaltungsmassnahmen getroffen werden, welche über Jahrzehnte die Brauchbarkeit der Orgel sicherstellen werden!

Es ist mir wichtig zu beizufügen, dass hier nicht nur ein Meilenstein der Orgelbaugeschichte auf dem Weg der Hochromantik zur Orgelbewegung gesetzt wurde, sondern, dass eben auch musikalische Qualität vorhanden ist. Für die Zukunft ist zu wünschen, dass dies zu einer stärkeren Beachtung des Instrumentes führen wird. Demnach wird diese Orgel nicht zu einem Konzertinstrument gemacht......sie ist es bereits insofern, dass alle Voraussetzungen von Qualität technischer und musikalischer Art gegeben sind. Ich wünsche mir in diesem Sinne lediglich die Wertschätzung, welche dieses Instrument in Zukunft verdienen soll!

Daher wird man sich in St.Gallen nicht nur in Bezug auf den katholischen Konfessionsteil Gedanken machen müssen, wie die interessante Orgellandschaft breiter und den Instrumenten gerechter dargestellt werden kann. Mit Maria-Neudorf besitzt die Stadt St.Gallen auf jeden Fall ein weiteres aussergewöhnlich wertvolles Instrument, das nun im Zusammenspiel mit Dom, St.Otmar, St.Mangen, Linsebühl hoffentlich St.Leonhard und sogar einer sanierten Orgel zu St.Katharinen einen wichtigen Platz in der Schweizer Orgellandschaft einnimmt.

Andreas Zwingli, Orgelsachverständiger des Bundes


*****


.....Dass solch einmaliges Klangwerk wie die Orgel der Marienkirche Neudorf  St.Gallen das prächtige Bild einer verflossenen Zeit darstellt und dass diese grosse Orgel unsere Kinder wie Kenner, Musizierende wie Betende in den Bann inniger Versunkenheit versetzt oder einen tanzenden Lobpreis zu entwickeln weiss! .....

Wolfgang Sieber, Stifts- und Hoforganist zu St.Leodegar im Hof Luzern

(Anmerkung: Sohn des Josef Sieber (1923-1986), welcher im Neudorf aufgewachsen ist. Er war befreundet mit Paul Schmalz (1904-1992), Kirchenmusiker


*****


Die grosse Orgel in St. Maria Neudorf wurde im Jahre 1927 von der Firma Orgelbau Willisau im Stile der Elsässer Orgelreform erstellt. Es handelt sich um ein Instrument, das auch aus heutiger Sicht über zahlreiche und sehr besondere Eigenschaften verfügt. Die 87 Stimmen sind auf drei Manuale und das Pedal verteilt.

In Dokumenten des Pfarreiarchivs ist zu lesen, dass schon zehn Jahre vor dem Bau der Orgel die Idee entstand, eine pneumatische Orgel mit grossem Fernwerk zu bauen und mit elektrischer Steuerung auszustatten. Vier Werke sind mit Schwellern ausgestattet (Hw II, III, Fw II, III). Das Pfeifenwerk, welches über 6 Stimmen 16 Fuss im Manual, 12 Zungenstimmen, 5 Mixturen, 11 Streicher, 10 Flöten etc., verfügt, besteht aus bestem Material. Das Fernwerk mit insgesamt 16 Stimmen (Hochdruckstimmen) ist das grösste in der Schweiz.

Die Orgel befindet sich heute noch im Originalzustand. Der Spieltisch wurde von Orgelbau Kuhn 1940 erneuert.

Es steht ausser Zweifel, dass es dieses noch gut erhaltene Instrument der Elsässer Orgelreform verdient, mit aller Sorgfalt revitalisiert zu werden. Man darf ohne Übertreibung festhalten, dass es sich um ein Kulturgut von nationaler Bedeutung handelt.

Zdenko Kuscer, Hauptverantwortlicher Kirchenmusiker St.Maria Neudorf

Orgeltastatur